Ein Gemeinschaftsprojekt von aktion tier und dem Verein Reptilienschutzzentrum Berlin/Brandenburg e.V.

Happy End für die Polarfüchse Bonnie und Clyde

Polarfuchs-Rüde Clyde (links) und das Weibchen Bonnie in ihrem großen Gehege auf dem Gelände des Reptilienschutzzentrums. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Clyde ist trotz seiner extrem verbogenen Vorderbeine ein neugieriger kleiner Kerl. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Clyde ist ein Blaufuchs. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Bis auf Bonnie und Clyde mussten alle Füchse aufgrund von Krankheiten und Verletzungen eingeschläfert werden. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Die Tiere genießen es, nicht mehr in engen Käfigen leben zu müssen. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Von Ursula Bauer, März 2018. Anders als das legendäre Gangster- Paar, das 1934 in Louisiana im Kugelhagel der Polizei ums Leben kam, hat das gleichnamige Polarfuchs-Duo gute Chancen, später einmal eines natürlichen Todes zu sterben.

Denn die beiden sind bei Marko Hafenberg im aktion tier-Reptilienschutzzentrum in Brandenburg gelandet. Dort leben nicht nur Schlangen und Echsen, sondern auch diverse Säugetiere. Es sind alles Tiere aus schlechter Haltung, die hier artgerecht untergebracht und betreut werden. Manchmal vorübergehend, bis ein endgültiges Zuhause gefunden wurde. Oft aber auch dauerhaft, da niemand dazu bereit ist, die teilweise recht hohen Ansprüche der meist exotischen Tiere zu erfüllen.

Den Preis für die schlechte Haltung zahlen immer die Tiere

Unsere beiden Polarfüchse wurden zusammen mit einigen weiteren Leidensgenossen in kleinen Drahtkäfigen in einem dunklen Schuppen gehalten. Die Pelze von Polarfüchsen lieferten dem Halter schon seit vielen Jahren einen schönen Nebenverdienst. Schließlich konnten ihn Bekannte von Marko Hafenberg dazu bewegen, diese illegale und tierquälerische Zucht aufzugeben. Wahrscheinlich war es weniger die Einsicht als vielmehr die Angst vor einer Anzeige, die den ehemaligen Landwirt dazu bewegte, die Tiere herauszugeben. Bis auf Bonnie und Clyde mussten alle Füchse aufgrund von Krankheiten und Verletzungen eingeschläfert werden. Auch bei den beiden Überlebenden hat die üble Haltung in Drahtkäfigen dauerhafte körperliche Schäden hinterlassen. Vor allem der Rüde hat stark deformierte Vorderbeine und Probleme beim Laufen. Um die Auflagefläche im Käfig möglichst groß und somit weniger schmerzhaft zu halten, hat Clyde seine Füße so lange verbogen, bis sie irgendwann in dieser Fehlstellung geblieben sind. Neben schweren Verletzungen wie offene Wunden, abgebissene Schwänze und fehlende Augen sind verformte Beine eine der häufigsten Folgen der Haltung in engen Drahtkäfigen. Außerdem sind beide Polarfüchse aufgrund des Bewegungsmangels ziemlich übergewichtig. Kleine Nebenerwerbs-Pelztierzuchten sind in Deutschland immer noch vereinzelt anzutreffen. Allerdings werden meistens die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllt, sondern die Tiere in zu kleinen Drahtkäfigen in dunklen Kellern, Scheunen oder Ställen für Dritte nicht sichtbar gehalten. Ein Fuchskäfig beispielsweise müsste eine Grundfläche von mindestens drei Quadratmeter pro Tier sowie Grabmöglichkeiten aufweisen. Das ist den meisten Züchtern von Füchsen, Nutrias, Marderhunden, Nerz & Co. jedoch zu aufwändig und zu teuer. Außerdem hat man die Tiere ja schon immer so gehalten, und schließlich merkt es ja niemand.

Die Entstehung der Kleintierzucht

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs herrschte Not und Unsicherheit in der Bevölkerung. So begannen viele Menschen mit der Kleintierzucht. Vorrangig zur Selbstversorgung, Überschüsse wurden meistens auf den lokalen Märkten angeboten. Während anfangs vor allem Ziegen, Kaninchen, Geflügel und Bienen in kleinem Umfang gehalten und gezüchtet wurden, kamen im Laufe der Zeit Hunde, Fische, Seidenraupen und Pelztiere hinzu.

Gerade die Pelztierzucht im Nebenerwerb wurde bis in die 90er Jahre hinein stark beworben. Ich erinnere mich noch an Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, in denen Pelzhändler Privatpersonen gesucht haben, die Pelztiere in kleinen Käfigen im Keller oder Schuppen halten würden. Das Ganze wurde als kinderleicht und lukrativ angepriesen. Im Rahmen eines Praktikums entdeckte ich Anfang der 1980er Jahre dann voller Entsetzen auf einem kleinbäuerlichen Anwesen übereinandergestapelte Drahtkäfige mit etwa 10 Nutrias in einem dunklen Stall. Der Halter ließ sich nicht überreden, die Tierquälerei zu beenden, woraufhin ich den Hof verließ.

Ende gut, alles gut.

Wahrscheinlich werden die beiden Polarfüchse Bonnie und Clyde bei Marko Hafenberg alt werden, denn in der Regel können Privatpersonen die Vorgaben des Säugetiergutachtens zur Haltung von Hundeartigen, zu denen auch alle Füchse zählen, nicht erfüllen. Während bei der Haltung als Pelzlieferant (also als Nutztier) die Regeln der Tierschutz-Nutztierverordnung greifen, sind bei einer haustierähnlichen Privathaltung die Vorschriften des Säugetiergutachtens zu erfüllen. Hier ist unter anderem ein Gehege von mindestens 30 Quadratmeter pro Polarfuchspaar vorgeschrieben. Bei Marko haben die Füchse sogar noch mehr Platz. Das Gehege ist außerdem vielfältig strukturiert und mit Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet. Täglich gibt es artgerechtes Futter und menschliche Zuwendung. Denn alle Mitarbeiter lieben die pummeligen Fellbündel und verbringen gerne Zeit bei den zutraulichen Tieren.

Wissenswertes über den Polarfuchs

Der Polarfuchs (Vulpes lagopus) wird auch als Steinfuchs, Eisfuchs oder Arktischer Fuchs bezeichnet. Er ist in den arktischen Regionen der Nordhalbkugel (z.B. Alaska, Kanada, Grönland, Island, nördliches Russland) beheimatet. Mit seinem dicken Fell und einer entsprechenden Fettschicht übersteht das scheue Raubtier selbst Temperaturen von unter 50 Grad. Der Speiseplan des Polarfuchses reicht von kleinen Säugetieren wie Lemmingen, Hasen und Mäusen über Vögel und Eier bis hin zu Aas. So vertilgt er beispielsweise gerne die Brocken, die Eisbären oder Polarwölfe nach ihren Mahlzeiten zurücklassen. Da der Polarfuchs über einen hervorragenden Geruchssinn verfügt, kann er zum Beispiel Mäuse und ihre Nester sogar unter einer dicken Schneeschicht orten und dann ausgraben.

Der Eisfuchs gilt als monogam und soll als Paar ein Leben lang zusammen bleiben. Zum Ende des Winters legen sie gemeinsam einen unterirdischen Bau an, in dem die Fuchsfähre zwischen drei und neun Jungen zur Welt bringt, die dann gemeinsam großgezogen werden.

Polarfüchse zeigen eine große Besonderheit: Sie wechseln im Jahresverlauf ihre Fellfarbe. Das Sommerfell ist bei allen Tieren ähnlich. Die Grundfarbe ist braun, graubraun oder rötlich, während Bauch, Flanken und die Unterseite des Schwanzes weißlich-beige gefärbt sind. In der Winterfellphase zeigen sich dann jedoch zwei Farbschläge, die ausschlaggebend für die spezifische Namensgebung ist. So werden Tiere mit bläulich-grausilbrigem Winterfell als Blaufüchse bezeichnet, während die reinweißen oder leicht cremigen Farbschläge als Weißfüchse bezeichnet werden.