Pressemitteilung

Kaninchen jetzt vor Maden schützen

Es ist ein gruseliger Moment: Beim Schmusen mit der geliebten Fellnase stockt dem Tierhalter plötzlich der Atem. Es kreucht und fleucht auf seinem Liebling. Zunächst kann der Besitzer gar nicht klar erkennen, um was für Getier es sich hier handelt. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich das ganze Grauen.

Foto: © aktion tier Tierheim Zossen

Unzählige Fliegenmaden schieben sich durchs Fell. Hellbraun, knapp einen Zentimeter lang, robben sie in alle Richtungen zwischen den Haaren hindurch. Für den Menschen ein ekelerregender Anblick, lebensgefährlich für das Tier. Wie kann dem armen Kaninchen nur schnell geholfen werden?

„Bei den derzeitigen Temperaturen ist das Risiko für einen Fliegenmadenbefall bei den kleinen Heimtieren besonders hoch“, warnt Frau Dr. Tina Hölscher, Tierärztin von aktion tier e.V.. „Die Fliegen werden von dem Geruch von Kotresten oder auch von kleinsten Hautwunden angezogen und legen dort ihre Eier ab“, erläutert sie den Anfang allen Übels. Dann schlüpfen die Maden, bohren die Haut der Tiere an und ernähren sich vom Gewebe der armen Geschöpfe. Das Ganze spielt sich in einem Zeitraum von Stunden (!) ab. Kaninchen mit Durchfall sind besonders gefährdet. In der Fachsprache wird der Befall Myiasis genannt.

„Beim Madenbefall müssen die Parasiten sofort abgesammelt werden. Mit einem Föhn zwingt man die Maden, der Hitze auszuweichen und hervorzukrabbeln. Dann greift man sie mit einer Pinzette“, erklärt die Tierärztin die erste Hilfe-Maßnahme zuhause. Im nächsten Schritt muss das Tier zum Tierarzt. Dort werden die restlichen Plagegeister entfernt und die Wunden gesäubert. Außerdem erhält das Kaninchen ein Schmerzmittel, ein Antibiotikum und ein Präparat, das die übrigen Parasiten abtötet. In fortgeschritten Fällen bleibt allerdings nur das Erlösen des Vierbeiners.

„Um einer Myiasis vorzubeugen, sollte jedes Tier, das draußen gehalten wird, einmal täglich genau kontrolliert werden. Hierbei ist vor allem auf Sauberkeit rund um die Analregion zu achten“, rät die Veterinärin. Außerdem muss die Reinigung der Ställe täglich erfolgen. Die zum Haushalt gehörende Biotonne stellt man am besten in großer Distanz zum Kaninchenkäfig auf. Kaninchen, die an Dünnpfiff leiden, bringt man derzeit besser in Wohnräumen unter. Beachtet man diese Empfehlungen, kann der Kaninchenliebhalber seinem Tier und sich selbst einen Horrortrip ersparen, auf den beide sicher gut und gerne verzichten können.

weitere Informationen bei:

Dr. med. vet. Tina Hölscher

Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Mobil: +49 177 2451198
E-Mail: tierarzt[at]aktiontier.org