Krokodildame „Nili“ aus Keller befreit

Nili wartet auf Futter. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Nili hat die tote Forelle gepackt ... Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
...und lässt sie der Länge nach in seinen Schlund gleiten. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Dann folgt ein Verdauungsschläfchen unter der Wärmelampe. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
 
 

Viele Menschen lagern in ihrem Keller Vorräte oder haben dort eine Werkstatt. Doch immer öfter findet man dort keine Einmachgläser vor, sondern die exotischsten Reptilien. Das Interesse an solchen außergewöhnlichen Haustieren ist zwar groß, die Sachkenntnis dagegen leider oft sehr spärlich oder gar nicht vorhanden. So kommt es immer öfter vor, dass die Besitzer überfordert sind und eine artgerechte Haltung der Reptilien nicht gewährleistet ist.

Ein Bericht von Sophie Janenko

So erging es auch der Krokodildame „Nili“, welche seit November 2016 im Reptilienschutzzentrum aktion tier BRANDENBURG untergebracht ist. Knapp zwölf Jahre lebte das Nilkrokodil bei einem Privathalter, welcher eigens für die Unterbringung seinen Keller ausbaute. Importiert wurde das Reptil einst aus Afrika – nun kümmert sich Marco Hafenberg, der Leiter des aktion tier Reptilienschutzzentrums BRANDENBURG, um die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen des Exoten. Und dies ist kein Einzelfall. Immer mehr fremdländische Wildtiere halten in deutschen Wohnhäusern Einzug. In Deutschland ist die Haltung von gefährlichen Wildtieren zwar durch sogenannte Gefahrtier-Gesetze geregelt, allerdings nicht in allen Bundesländern. Ein paar Bundesländer wie zum Beispiel Brandenburg haben gar keine Gesetze.

Ein Jungkrokodil ist sehr klein, daher denken unwissende Menschen, man könne solch ein Tier in einem gewöhnlichen Terrarium halten. Doch dies ist ein absoluter Trugschluss, denn Nilkrokodile wachsen bis ins hohe Alter und können bis zu vier Meter lang werden. Krokodildame Nili bringt mittlerweile bei einer Körperlänge von 3,20 m ein Gewicht von 160 kg auf die Waage. Ein solches Reptil benötigt ein Terrarium, welches dem Tier ausreichend Platz – mindestens 30 bis 40 Quadratmeter – bietet und gleichzeitig verschiedene Lebensräume zur Verfügung stellt: einen Landteil, einen Flachwasserbereich sowie eine Tiefwasserzone. Krokodile sind sogenannte wechselwarme Tiere, d.h. die Körpertemperatur entspricht nahezu der Temperatur der Umgebung. Diese sollte 25°-30°C betragen. Damit Krokodile ihre bevorzugte Körpertemperatur erreichen und diese ihren jeweiligen Bedürfnissen anpassen können, ist eine Temperaturdifferenz auf dem Land und im Wasser nötig. Bei dauerhaft zu niedrigen Umgebungstemperaturen werden die Tiere lethargisch und ihre Stoffwechsel- und Verdauungsvorgänge funktionieren nicht mehr richtig. Ihr Immunsystem wird geschwächt, und die Infektionsgefahr steigt. Zu hohe Umgebungstemperaturen setzen das Reptil unter Hitzestress was wiederum zum Tod der Tiere führen kann.

Neben der richtigen Wärmebeleuchtung muss eine UV-Beleuchtung vorhanden sein, welche für eine Reihe wichtiger Vorgänge im Organismus notwendig ist. So ist zum Beispiel eine ausreichende Bestrahlung mit UV-B-Licht dafür verantwortlich, dass Vitamin D3 erzeugt wird. Dieses hormonwirksame Vitamin ermöglicht die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung und dessen Einlagerung in die Knochen. Fehlt dieses Vitamin, so können Knochenveränderungen zu Problemen bei der Bewegung und der Nahrungsaufnahme führen. Für das Reptil bedeutet dies ebenfalls große Schmerzen und Leiden.

Zusammenfassend ist die Haltung eines Krokodils also nicht nur sehr anspruchsvoll und aufwändig, auch die Kosten für den Eigenbau sowie das Betreiben eines artgerechten Terrariums sind sehr hoch. Doch nicht nur die nötige Sachkunde über den natürlichen Lebensraum – und die Möglichkeiten, diesen künstlich zu erzeugen – muss jedem Interessenten bewusst sein. Auch die Sicherheit muss bei dieser speziellen Tierhaltung bedacht werden. Das Terrarium muss entsprechend gesichert sein, denn das Reptil darf weder ausbrechen können, noch in irgendeiner anderen Weise für Menschen gefährlich werden.

Auch das Füttern kann den Tierbesitzer vor Probleme stellen, denn Nilkrokodile fressen nicht nur kleine Insekten, Schnecken und Krebse. Als Hauptmahlzeit eignen sich Fische, Ratten und Küken. Ausgewachsene Krokodile freuen sich auch über größere Tiere wie Meerschweinchen und Hasen. „Fünf bis sechs Kilogramm Fleisch verspeist Nili wöchentlich. Die etwa 60cm große Meerforelle gehört zu ihrer Leibspeise“, so Marko Hafenberg, Leiter des Reptilienschutzzentrums BRANDENBURG. Die ungebrochene Faszination für Reptilien und Amphibien gibt Anlass zur Sorge, denn die Anschaffung eines exotischen Tieres, auch eines gefährlichen Tieres, ist völlig problemlos. Im Internet gibt es neben den üblichen Marktplätzen für Kleinanzeigen zahlreiche spezialisierte Online-Shops. Die Auswahl ist groß, und selbst ein Krokodil wie Nili wird hier als niedliches Haustier angepriesen – Lieferung bequem frei Haus.

Wildtiere gehören nichts ins Wohnzimmer

Immer wieder werden bei Polizeieinsätzen auch illegale Sammlungen gefunden, welche nicht selten zur Bedrohung der Artenvielfalt beitragen. Vielen Menschen ist nicht bewusst, welche Probleme mit dem Handel und der Haltung von exotischen Wildtieren verbunden sind. Häufig werden die Tiere einfach ausgesetzt, wenn die Besitzer überfordert sind: Das Terrarium ist auf einmal zu klein, die Kosten zu hoch. Entsprechende Einrichtungen wie das Reptilienschutzzentrum aktion tier BRANDENBURG sind aufgrund sogenannter „Fundtiere“ maßlos überfüllt, und der Zustand der Tiere ist schlecht – oft müssen sie von den Tierpflegern erst wieder aufgepäppelt werden. „Nili hatte bei ihrer Einlieferung kaum Zähne im Maul“, so Marko Hafenberg. „Zurückzuführen ist das auf eine fehlerhafte Ernährung oder mangelnde UV-Bestrahlung. Genau sagen kann man das nicht. Erfreulich ist allerdings, dass sie bereits nachwachsen.“